XETRA-START/Deutscher Aktienmarkt nach Brüssel-Gipfel freundlich
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Brüsseler EU-Gipfel schaltet die Ampeln am deutschen Aktienmarkt erst einmal wieder auf Grün. Der DAX steigt gegen 9.50 Uhr um 23 Punkte oder 0,4 Prozent auf 6.467 Punkte und beendet damit die leichte Korrektur der vergangenen beiden Sitzungen. (Foto: Dt. Börse)
Der EU-Gipfel in Brüssel vermittelt zumindest vordergründig ein Bild der Geschlossenheit. Immerhin 25 der 27 Staaten der Europäischen Union haben dem Fiskalpakt zugestimmt, mit dem die Finanzlage und die Wettbewerbsfähigkeit der Länder verbessert und das Ansehen der Gemeinschaftswährung wiederhergestellt werden sollen. Darüber hinaus segneten sie die vorzeitige Einführung des permanenten Rettungsschirms ESM im Juli ab. "Damit ist der Gipfel zwar ohne Überraschungen geblieben, letztlich stellt sich die EU damit langfristig aber besser auf, als die meisten anderen Wirtschaftsräume", sagt ein anderer Marktteilnehmer. Noch dazu stellte Griechenlands Regierungschef Loukas Papademos in Aussicht, dass die Hängepartie bei den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Athen bis Ende der Woche abgeschlossen sein könnten.
Allerdings ist der DAX im Eröffnungsgeschäft an der 6.500er Marke gescheitert. Hier werde die Luft dünn, meinen technische Analysten mit Blick auf die mittelfristig immer noch überkaufte Situation. Als unterstützt gilt der DAX im Bereich um 6.350 Punkten, hier treffen sich die 200-Tage-Linie und der kurzfristige seit Dezember etablierte Aufwärtstrend.
Für neue Impulse dürften vor allem die für den Nachmittag avisierten US-Konjunkturdaten sorgen. Auf dem Programm steht unter anderem der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe der Region Chicago. Für Januar erwarten Volkswirte einen Anstieg auf 62,3 von 62,2 Punkten im Vormonat. Manchen Ökonomen gilt der Index als guter Vorläufer für den landesweiten ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der größten Volkswirtschaft der Welt. Andere Volkswirte sprechen ihm wegen der dominierenden Rolle der Automobilindustrie in der Region Chicago diese Funktion allerdings ab. Daneben wird der vom US-Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board ermittelte Index des Verbrauchervertrauens erwartet. Hier lautet der Ökonomenkonsens für Januar auf 68,5 nach 64,5 Punkten im Vormonat.
Angeführt wird die Gewinnerliste von ThyssenKrupp mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 21,45 Euro. Der Verkauf der Edelstahl-Tochter an den finnischen Outokumpu-Konzern spült 2,7 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Die Erwartungen hätten bei 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro gelegen. "Thyssen kann die Schulden senken, Outukumpu kommt geografisch näher an seine Kunden und die Überkapazitäten in Europa werden abgebaut", lautet das Fazit für Michael Broeker, Analyst bei Steubing. Linde steigen um 1,2 Prozent auf 119,70 Euro, nachdem Goldman Sachs das Kursziel auf 155 EUR erhöht hat von 130 EUR. Infineon gewinnen 1,5 Prozent auf 7,00 Euro, getrieben unter anderem von guten Vorlagen der US-Technologiewerte.
In der zweiten Reihe steigt der MDAX um 0,6 Prozent, der TecDAX zieht um 0,9 Prozent an. Hier gewinnen Gigaset 14,3 Prozent auf 2,75 Euro. Der Telefon-Hersteller ist im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Heiko Feber, Analyst bei Lampe, bewertet vor allem die hohe Cash-Generierung von 62 Millionen Euro im vergangenen Jahr positiv. Allerdings sei bislang noch unklar, ob es sich dabei lediglich um einen Einmaleffekt gehandelt habe.
-Von Herbert Rude, Dow Jones Newswires,
+49(0)69-29725217, herbert.rude@dowjones.com
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