ThyssenKrupp macht Verkauf der Edelstahlsparte perfekt
ESSEN (Dow Jones)--ThyssenKrupp hat den Verkauf der Edelstahlaktivitäten an die finnische Outokumpu unter Dach und Fach gebracht. (Foto: ThyssenKrupp)
Durch den Zusammenschluss von Inoxum und Outokumpu entsteht ein neuer Weltmarktführer im Edelstahlbereich mit 18.000 Beschäftigten und 10 Milliarden Euro Umsatz. Die nun vereinbarte Transaktion sieht vor, dass ThyssenKrupp an dem neuen Unternehmen 20 Prozent der Anteile erhält. Zudem wird Outokumpu die Finanzschulden von Inoxum bei ThyssenKrupp, sowie externen Finanzverbindlichkeiten und Pensionsverpflichtungen übernehmen.
An der Börse wird die Transaktion für ThyssenKrupp positiv gewertet: Die Aktie legt im frühen Geschäft um 2 Prozent auf 21,53 Euro zu. Anders bei Outokumpu: Die Aktie der Finnen gibt um 2,2 Prozent auf 7,19 Euro nach.
Der Deal habe für alle Beteiligten seinen Charme, meint Michael Broeker, Analyst bei Steubing. "Thyssen kann die Finanzverbindlichkeiten senken, Outokumpu kommt geografisch näher an seine Kunden und die Überkapazitäten in Europa werden abgebaut", so der Analyst. Thyssen habe aus der historischen Entwicklung zu viele Standorte in Deutschland. Der Verkauf der Standorte vermindere für Thyssen das Strukturproblem und vermindere damit entstandene Kosten.
Mit der Barkomponente, wie der Übernahme von Finanzschulden durch Outokumpu verschaffe sich Thyssen den gewünschten finanziellen Freiraum. Broeker geht davon aus, dass die 30-Prozent-Beteiligung am Ende einer möglichen Haltesperre verkauft wird und damit Thyssen die Finanzverbindlichkeiten weiter herunterfahre.
Der Vorstand der ThyssenKrupp AG hat der Transaktion bereits grundsätzlich zugestimmt. Nun bedarf es noch der Zustimmung des Aufsichtsrats, der am Dienstagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreffen wird.
Mit den Arbeitnehmervertretern wurde am Morgen bereits eine Einigung erzielt, wie ThyssenKrupp weiter mitteilte. Die Produktion im Stahlwerk Krefeld soll schrittweise bis Ende 2013 eingestellt werden, während das Stahlwerk am Standort Bochum bis mindestens bis Ende 2016 fortgeführt werde. Vereinbart sei der grundsätzliche Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2015. Alle Produktionsstandorte von Inoxum in Deutschland werden uneingeschränkt bis mindestens 2015 erhalten.
Mit dem Verkauf der Edelstahlsparte will ThyssenKrupp die Schulden reduzieren und sich wieder stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Insgesamt will Thyssen Tochterfirmen mit einem Umsatz von 10 Milliarden Euro und 35.000 Beschäftigten verkaufen. 2011 erwirtschaftete der Stahlhersteller einen Umsatz von knapp 50 Milliarden Euro.
-Von Matthias Goldschmidt, Dow Jones Newswires;
(Thomas Leppert hat zu diesem Bericht beigetragen)
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