Siemens will Netzwerkausrüster RuggedCom schlucken
FRANKFURT (Dow Jones)--Jahrelang war Ruhe an der Akquisitionsfront, nun wird Siemens wieder einmal aktiv: Europas größter Technologiekonzern will den kanadischen Netzwerkausrüster RuggedCom übernehmen. Für den geplanten Zukauf wollen die Münchener umgerechnet knapp 290 Millionen Euro berappen. (Foto: Siemens)
RuggedCom wurde 2001 gegründet und ist in Concord in Ontario ansässig. 2011 erwirtschaftete das Unternehmen mit 360 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 94 Millionen US-Dollar. RuggedCom bietet industrietaugliche Ethernet-Kommunikationsprodukte und Netzwerklösungen an, die etwa in der Energieverteilung, in Raffinerien oder in Verkehrssteuerungssystemen zum Einsatz kommen.
Siemens ist zwar auch selbst im Bereich industrieller Ethernet-Netzwerke unterwegs, allerdings vor allem in der Auto-, der Nahrungsmittel- und der Metall- sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie. "Das Portfolio von RuggedCom würde unser Produktangebot im Bereich der industriellen Ethernet-Kommunikation ideal ergänzen", sagte Anton Huber, der die Industrieautomatisierungssparte bei Siemens verantwortet.
"Außerdem würden wir durch die Akquisition unsere Abdeckung in Nordamerika und im Asien-Pazifik-Raum verbessern", erklärte der Manager. Siemens ist bei Ethernet-Netzwerken bislang vor allem auf Europa konzentriert. RuggedCom dagegen macht mehr als 40% des Geschäfts in Nordamerika und ist in der Region Asien-Pazifik auf Wachstumskurs.
Das Übernahmeangebot, das sich auf 33 kanadische Dollar je Stammaktie beläuft, soll den Anteilseignern von RuggedCom in den nächsten Tagen zugestellt werden. Mit dem gebotenen Preis ist Siemens bereit, einen Aufschlag von gut einem Viertel zu zahlen. An der Börse in Toronto war die RuggedCom-Aktie am Freitag bei umgerechnet 26,25 kanadischen Dollar aus dem Handel gegangen.
Das ist deutlich mehr, als der US-Technologiekonzern Belden zu bieten bereit war. Mitte Dezember hatten die Amerikaner eine Offerte über 22 kanadische Dollar angekündigt, die der RuggedCom-Vorstand aber als zu niedrig ablehnte. Die Chancen für Siemens stehen nun ungleich besser: Das Angebot der Münchener hat die Führungsriege des Objekts der Begierde einstimmig als gut befunden. Der Vorstand hält etwa ein Siebtel der Anteile am Unternehmen.
Marktbeobachter warteten seit geraumer Zeit darauf, dass Siemens in Sachen Zukäufen aktiv wird. Denn Europas größter Technologiekonzern hat Milliarden auf der hohen Kante: Per Ende des ersten Quartals des Geschäftsjahres lag die Liquidität bei knapp 9 Milliarden Euro.
Außerdem sind die Unternehmensbewertungen im Zuge der Marktverwerfungen in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Entsprechend deutlich forderten die Aktionäre auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche Zukäufe oder eine Sonderausschüttung. Siemens hatte sich in den vergangen Jahren an der M&A-Front merklich zurückgehalten: Die letzte Großakquisition war die Übernahme des US-Diagnostikunternehmens Dade Behring im Jahr 2007 für rund 7 Milliarden US-Dollar, die allerdings bislang wenig Freude bereitete.
Siemens-Chef Peter Löscher hatte in den letzten Jahren den Schwerpunkt eher auf die Kernsektoren Industrie, Energie und Medizintechnik gelegt. Nun, da fast alle verlustbringenden Randgeschäfte abgestoßen sind und der vierte Kernsektor, Infrastruktur und Städte, eingeführt ist, scheint der Weg für Zukäufe geebnet. Diese werden wohl auch nötig sein, um das ambitionierte Mittelfristziel eines Umsatzes von mehr als 100 Milliarden Euro zu erreichen.
-Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires,
+49 - 0(6)69 297 25 114; nico.schmidt@dowjones.com
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