INTERVIEW/Lanxess trotzt hohen Rohstoffkosten und versprüht Zuversicht

27.01.12, 15:43 Uhr       

04_01-konzernzentrale_compFRANKFURT (Dow Jones)--Deutschlands viertgrößter Chemiekonzern Lanxess versprüht trotz hoher Rohstoff- und steigender Energiekosten Zuversicht im neuen Jahr. (Foto: Lanxess)

"Ich bin zuversichtlich für 2012, ich erwarte, dass Lanxess seine Erfolgsgeschichte fortschreiben wird", sagte Vorstandsvorsitzender Axel C. Heitmann im Interview mit Dow Jones Newswires. Eine genaue Prognose wollte der Manager noch nicht abgeben. Auf das neue Jahr sei das Unternehmen gut vorbereitet, meinte er. Zum Geschäftsverlauf im Januar wollte sich der Manager noch nicht äußern.

Das für 2011 angepeilte Rekordergebnis von mehr als 1 Milliarden Euro hat der Konzern nach Heitmanns Angaben erreicht. "Ich kann bereits heute sagen, dass wir die Milliardenschwelle, was das EBITDA vor Sondereinflüssen angeht, im vierten Quartal 2011 überschritten haben", erklärte er. Genaueres will der Manager auf der Bilanzpressekonferenz am 22. März sagen.

Für die Aktionäre könnte dies auch eine höhere Ausschüttung bedeuten. Heitmann wollte sich zum heutigen Zeitpunkt zwar noch nicht konkret dazu äußern. Lanxess sei ein Dividendentitel meinte er aber. "Wir halten an unserer Dividendenpolitik fest, dass unsere Aktionäre an der guten Entwicklung von Lanxess angemessen beteiligt werden", sagte er. Für 2010 zahlte der Konzern 0,70 Euro je Aktie, nach 0,50 Euro im Jahr davor.

Auch am mittelfristigen Ziel, bis 2015 das EBITDA vor Sondereinflüssen auf 1,4 Milliarden Euro in die Höhe zu treiben, hält der Manager weiter fest. Dabei sollen zwei Drittel des Wachstums aus eigener Kraft und ein Drittel mit Akquisitionen erzielt werden.

Im Mai 2011 hatte Heitmann angekündigt, das Unternehmen sei mittlerweile auch in der Lage, größere Zukäufe im Umsatzvolumen 500 Millionen Euro bis eine Milliarden Euro zu prüfen. Das hatten Marktbeobachter als die Ankündigung einer bevorstehenden größeren Akquisition gewertet. Bisher ist ein größerer Zukauf allerdings ausgeblieben.

Die belgische Chemiegruppe Taminco ging im Dezember für 1,1 Milliarden Euro an den US-Finanzinvestor Apollo. Auch Lanxess war Interesse an dem Unternehmen nachgesagt worden. Der letzte größere Zukauf von Lanxess war 2011 das Synthesekautschukgeschäft von DSM für 310 Millionen Euro.

"Es geht bei Akquisitionen nicht um Größe, es geht um Wertschaffung", wiegelte Heitmann, der das Unternehmen seit seiner Gründung 2004 steuert, nun ab. Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens, das heißt die Erfahrung, die finanzielle Stärke aber auch die Managementkompetenz ermögliche es Lanxess, mittlerweile seinen Aktionsradius zu vergrößern. "Das ist aber nur eine theoretische Größenordnung die machbar wäre, es besteht keine Notwendigkeit dafür und kein Zeitdruck", sagte er.

Das organische Wachstum will Heitmann in diesem Jahr weiter voranbringen und die Kapazitäten erneut ausbauen. Die Investitionen sollen dabei erneut gesteigert werden, wie der 52-jährige Manager ankündigte. 2011 investierte Lanxess rund 600 Millionen Euro in Sachanlagen. Das Unternehmen habe seine Aufwendungen für Investitionen sowie Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren Jahr für Jahr gesteigert, sagte er.

"Diesen Wachstumspfad wollen wir beibehalten sofern die Nachfrage in den Märkten weiter steigt", kündigte er an. In diesem Jahr will Lanxess nach seinen Angaben mehrere Anlagen in Betrieb nehmen und gleichzeitig neue Projekte in Angriff nehmen. Beispielsweise in Amerika sollen die Kapazitäten in diesem Jahr ausgebaut werden. Auf der Agenda hat Heitmann auch den Ausbau der Kapazitäten in Südamerika. Das sei grob in der Planung für die kommenden Jahre, sagte er.

Steigende Rohststoffkosten machen dem Lanxess-Manager keine Sorgen. "Die Rohstoffkosten haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder zeitnah in die Märkte weitergeben können. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch zukünftig gestiegene Einstandskosten in die Märkte weitergeben können", sagte er.

Als einen Erfolgsfaktor wertet der Manager die gute geographische Positionierung des Leverkusener Konzerns. In den zurückliegenden sieben Jahren habe Lanxess seine Präsenz in den Wachstumsmärkten der Schwellenländern deutlich ausgebaut, sagte er. "Heute steuern die Schwellenländer mehr als 35% zum globalen Geschäft bei", sagte er.

Gleichzeitig hat sich der Konzern in dieser Zeit auf höher wertige innovationsgetriebene und damit auch höher margige Produkte konzentriert. Stärkster Wachstumstreiber sind die Kautschuk- und Kunststoffaktivitäten. Mit der Automobil- und Reifenindustrie erzielt Lanxess heute rund 40% der Erlöse. Lanxess war durch die Ausgründung der Chemiesparte und Teile der Polymer-Aktivitäten aus dem Bayer-Konzern in ein eigenständiges Unternehmen entstanden.

-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 113, heide.oberhauser@dowjones.com

DJG/hoa/kla/mrf

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