Europas Börsen schwächeln - Frankreichs Steuer drückt Banken

30.01.12, 18:42 Uhr       

FRANKFURT (Dow Jones)--Mit schwachen Kursen sind Europas Aktienmärkte zu Wochenbeginn aus dem Handel gegangen. Ein Mangel an guten Nachrichten und die anhaltende Hängepartie bei den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt Griechenlands sorgten für marktbreite Gewinnmitnahmen. Zudem halbierte Frankreichs Regierung ihre Wachstumsprognose für 2012 und kündigte eine Finanztransaktionssteuer an.

 

In Spanien rutschte die Wirtschaft im vierten Quartal ins Minus. Vor allem französische Bankenwerte und Versicherungen standen kräftig unter Druck. Der Euro-Stoxx-50 rutschte um 1,3 Prozent oder 32 auf 2.405 Punkte ab, der Stoxx-50 gab um 0,8 Prozent oder 20 auf 2.409 Punkte nach.

Warten auf Erkenntnisse vom EU-Gipfel

Im Fokus steht nun der EU-Gipfel. Am Abend ab 19.15 Uhr wird eine Pressekonferenz aus Brüssel erwartet. Zu welchen Themen sich der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs äußern wird, ist nicht in vollem Umfang bekannt. "Resultat wird vor allem ein vorgezogener ESM und der neue 'Fiscal Compact' sein, der wiedergutmachen soll, was der Stabilitätspakt nicht vermochte", sagte Carolin Hecht, Analystin bei der Commerzbank. Entscheidungen über das zweite Hilfspaket für Griechenland stehen nach offizieller Lesart nicht auf der Agenda. Hier nimmt das Mißtrauen gegenüber dem Lösungswillen des Landes immer weiter zu, hieß es im Markt.

Italiens Auktion ordentlich - Portugal macht Sorgen - Spanien rutscht ins Minus

Wohlwollend aufgenommen wurde der ordentliche Verlauf der Anleihe-Auktion in Italien. Die römischen Staatspapiere waren teils bis zum 1,88-fachen überzeichnet. Die Rendite der Langläufer bis 2021 lag bei 5,74 Prozent. Die wesentliche Rolle für den jüngsten Rückgang der Renditen spielt jedoch weiterhin die reichlich vorhandene 3-Jahres-Liquidität im Bankensektor nach der 480-Milliarden-Euro-Spritze der Europäischen Zentralbank Ende Dezember.

Sorgen machte jedoch der Renditesprung in Portugal. Händler nannten hier Renditen von 16 Prozent, was einen Rekord während der Euro-Mitgliedschaft darstellte. Auch aus Spanien kamen keine guten Nachrichten: Das BIP fiel im vierten Quartal 2011 um 0,3 Prozent zurück.

Banken unter Druck - Frankreichs Institute leiden unter BIP und Finanz-Steuer

Banken-Werte standen mit den erneuten Sorgen um Griechenland unter Druck, Frankreichs Institute litten zudem unter der Ankündigung, eine Transaktionssteuer im Alleingang einzuführen. Premierminister Francois Fillon bestätigte damit die Ankündigung von Staatspräsident Sarkozy vom Sonntag. Zudem wurde die BIP-Prognose für 2012 auf nunmehr plus 0,5 Prozent nach zuvor 1,0 Prozent gesenkt. Auch der innerfranzösische Wahlkampf belastet die Banken derzeit schwer: Sarkozys sozialistischer Gegenspieler Hollande fordert eine 15-prozentige Steuererhöhung auf Bankgewinne. Hollande führt die Meinungsumfragen derzeit an. "Damit wird der Sektor zunehmend unattraktiver, egal wer die Wahl gewinnt", sagte ein Händler. Zu allem Übel litten BNP und SocGen zusätzlich unter einer Abstufung durch Bank of America-Merrill Lynch.

Der Sektor-Index der Banken fiel um 3,1 Prozent, die Börse in Paris um 1,6 Prozent. BNP Paribas brachen um 7,1 Prozent ein, Societe Generale um 6,5 Prozent und Credit Agricole um 6,6 Prozent.

Philips nach Warnung mit endgültigen Zahlen

Philips fielen um 2,2 Prozent auf 15,24 Euro nach Vorlage endgültiger Geschäftszahlen für das Jahr 2011. Eine hohe Nachsteuerbelastung aus dem eingestellten Fernsehgeschäft und rückläufige Gewinne in anderen Sparten hatten das Ergebnis im Schlussquartal belastet. Der Nettoverlust belief sich auf rund 160 Millionen Euro. Vor knapp drei Wochen hatte Philips den Markt jedoch bereits vorgewarnt. Als "böse Überraschung" wertete Sjoerd Ummels von ING nur noch, dass das Aktienrückkaufprogramm auf einen längeren Zeitraum ausgeweitet wurde.

ABB kauft sinnvoll zu

Als strategisch sinnvoll wurde der Kauf von Thomas & Betts durch den schweizerischen Technologiekonzern ABB gesehen. ABB gaben 2,2 Prozent auf 19,04 Franken nach. "Damit sollte sich der Zugang zum US-Markt der Niederspannungsprodukte verbessern", hieß es dazu von der Züricher Kantonalbank. ABB kauft für knapp 4 Milliarden US-Dollar den US-Hersteller elektronischer Komponenten. Das Angebot von 72 Dollar je Aktie entspricht einer Prämie von 24 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag.

Ryanair hat Kosten im Griff

Ryanair überraschten positiv: Trotz der Schwierigkeiten bei einigen Wettbewerbern hat die irische Fluglinie den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr nach oben genommen. Dabei profitierte die Billigfluglinie auch von dem milden Winter. "O'Leary hat die Kosten im Griff", so ein Händler. Die Aktie schloss gegen den schwachen Gesamtmarkt 1 Prozent höher bei 4,19 Euro.

DJG/mod/ros

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