Wall Street Journal startet deutschsprachige Bezahl-Webseite

19.10.11, 14:01 Uhr       

WSJ_com_BlueFRANKFURT (Dow Jones)-Der Medienkonzern News Corp des australischen Verlegers Rupert Murdoch wagt einen Anlauf für bezahlte deutschsprachige Nachrichten im Internet. "Anfang Januar" will das "Wall Street Journal" mit einem deutschsprachigen Online-Angebot auf den deutschen Markt gehen, teilte die News Corp-Tochter Dow Jones am Mittwoch mit.

Das Wall Street Journal Deutschland solle dabei auf einer Webseite und mittels mehrerer Smartphone-Apps und Tablet-Ausgaben eine Mischung von Gratis- und Bezahlangeboten für deutsche Leser zur Verfügung stellen.

Weitere Details zum genauen Startzeitpunkt und zu Umfang und Höhe der geplanten Abonnementkosten machte Dow Jones nicht.

Über den Start einer deutschsprachigen Ausgabe des Wall Street Journal war seit einigen Wochen in deutschsprachigen Medien spekuliert worden. Dow Jones, zu der auch diese Nachrichtenagentur gehört, hatte sich aber stets bedeckt zu seinen Plänen gehalten.

Das neue Online-Angebot des Verlages, der für sein Bezahlangebot der englischsprachigen Variante WSJ.com nach eigenen Angaben über eine Million Abonnenten hat, wird in der deutschen Medienlandschaft mit einer Mischung aus Neugier und Hoffnung erwartet.

Der deutsche Online-Nachrichtenmarkt gilt mit den "Platzhirschen" von "Spiegel" und "Handelsblatt" zwar als relativ gesättigt, dennoch traut man dem Projekt einiges zu.

Mit Spannung wird dabei beobachtet, ob es Dow Jones mit dem Angebot gelingt, auch in Deutschland für Nachrichten im Internet Geld zu verlangen. Der Markenname Wall Street Journal könnte dabei helfen: Nach einer Auswertung von Media Tenor war das "Wall Street Journal" das am zweitmeisten zitierte Wirtschaftsmedium in Deutschland nach dem "Handelsblatt".

Dow Jones baut beim Start des deutschsprachigen Wall Street Journal auf die Kombination internationaler und deutscher Nachrichten. Zur Hilfe kommt dem Medienkonzern dabei die Tiefe und Breite seines globalen Korrespondentennetzes: weltweit arbeiten rund 2.000 Journalisten für Dow Jones. Angereichert werden soll das Angebot mit Nachrichten und Analysen des bestehenden Korrespondententeams in Frankfurt, Berlin, Düsseldorf und Hamburg.

Dow Jones besitzt seit 2004 in Deutschland eine deutschsprachige Redaktion, nachdem das Nachrichtengeschäft der früheren "vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste" gekauft wurde.

Der Vorstoß des Wall Street Journals nach Deutschland sei Teil der globalen digitalen Expansionsstrategie des Unternehmens, dessen lokalsprachlichen Angebote derzeit bereits WSJ China und WSJ Japan umfassten, so Dow Jones am Mittwoch in einer Pressemitteilung.

Der Neustart geht einher mit personellen Veränderungen. So gab das Unternehmen am Mittwoch ebenfalls bekannt, dass Knut Engelmann zum Managing Editor Deutschland, Newswires und Wall Street Journal Deutschland ernannt wurde. Engelmann, der die Nachfolge des langjährigen Chefredakteurs Rolf Anders antritt, war zuletzt als Global Company News Editor und Wall Street Editor für den Mitbewerber Thomson Reuters in New York tätig.

Engelmann kennt den deutschen Nachrichtenmarkt gut: Vor seiner Zeit in New York leitete er von Frankfurt aus die Reuters-Redaktionen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und auf dem Balkan.

Herausgeber der deutschsprachigen Webseite wird Matthias Paul, der zugleich die Verantwortung für die Entwicklung und den Ausbau des digitalen Geschäfts des Wall Street Journal in Deutschland übernehmen wird.

DJG/kgb/smh

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