EZB verlangt höhere Abschläge für bestimmte Sicherheiten

28.07.10, 17:08 Uhr | Lesezeichen | Versenden

EZB - Foto_Koch_2010-07-11 057

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Risiken im Sicherheitenrahmen überprüft und die abgestuften Bewertungsabschläge (Haircuts) für niedriger bewertete Assets und illiquide Anleihen erhöht. Die Bewertungsabschläge orientieren sich an den Laufzeiten, der Liquidität und der Kreditqualität der eingereichten Papiere, wie die EZB am Mittwoch erklärte. (Foto: Koch)

Betroffen von den Änderungen sind vor allen Anleihen mit "theoretischen Bewertungen", also Bonds für die kein verlässlicher Marktpreis auszumachen ist.

Das neue Haircut-System wird den Angaben zufolge zum 1. Januar 2011 in Kraft treten. "Die neuen Bewertungsabschläge werden nicht zu einer ungerechtfertigten Abnahme der für die Gegenparteien zur Verfügung stehenden Sicherheiten führen", heißt es in der EZB-Mitteilung. Beobachter sagten, mit der Änderung wolle die EZB die Banken dazu bringen, weniger der niedrig bewerteten Papiere als Sicherheiten bei den Refinanzierungsgeschäften zu hinterlegen.

Wie die EZB weiter mitteilte, wurden bei der Definitionen der Liquiditätskategorie für marktgängige Papiere und der Anwendung eines zusätzlichen Bewertungsabschlags für "theoretisch bewertete Assets" Feinjustierungen vorgenommen. So werden unter anderem in Zukunft alle non-Jumbo Covered Bonds, darunter auch strukturierte Covered Bonds und solche mit mehreren Emittenten, in der Kategorie 3 erfasst.

Vor allem die Haircuts bei niedrig bewerteten Bonds - unter "A3/A-" - wurden erhöht. Aber auch für höher bewertete Papiere, sogar solche mit einem "AAA"-Rating, werden nun höhere Abschläge berechnet, wenn diese in die Kategorien 3,4 oder 5 fallen. Zudem wurde mit der Kategorie 5 eine neue Klassifizierung eingeführt, die für Asset-Backed Securities (ABS) gilt. Hier gibt es ab 2011 einen einheitlichen Haircut von 16%. ABS-Papiere, deren Rating unter "A3/A-" liegen, werden in Zukunft nicht mehr als Sicherheit angenommen.

Keine zusätzlichen Abschläge - unabhängig von ihrem Rating - gibt es in den Kategorien 1 und 2, in die Staatsanleihen und Anleihen von Landesregierungen, Jumbo Covered Bonds sowie supranationale Schuldtitel fallen.

Am Repo-Markt refinanzieren sich Banken mit Tagesgeld. Um Mittel bei der EZB aufzunehmen, müssen die Banken Sicherheiten hinterlegen. Vor der Finanzkrise hatte die EZB bei den als Sicherheiten zu hinterlegenden Titeln ein Mindestrating von "A-" gefordert. Dieses wurde im Zuge der Krise auf "BBB-" erweitert. Im April 2010 hatte die EZB angekündigt, für Papiere mit den Ratings "BBB+" bis "BBB-" ein System abgestufter Bewertungsabschläge (Haircuts) einzuführen.

Webseite: www.ecb.int
 
-Von Geoffrey Smith, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 29725 300,
geoffrey.smith@dowjones.com

DJG/DJN/kth/mle/sch

Vorherige Meldung: Überblick am Abend - Unternehmen - 28. Juli 2010
Nächste Meldung: Ungarn hält Staatsfinanzen auch ohne IWF-Hilfe für sicher

September 2010
So. Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa.
1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30