Deutscher Arbeitsmarkt im Juli weiter erholt

29.07.10, 11:49 Uhr | Lesezeichen | Versenden

2010-06-30_Arbeitslose_1ddp NÜRNBERG/FRANKFURT (Dow Jones)--Die positive Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt hat sich im Juli fortgesetzt, die wirtschaftliche Erholung schlägt immer stärker auf den Arbeitsmarkt durch. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mitteilte, waren bereinigt um jahreszeitliche Einflüsse 20.000 Menschen weniger arbeitslos als vor einem Monat. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Rückgang um 19.000 prognostiziert. (Foto: ddp)

Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote sank im Juli wie erwartet auf einen Wert von 7,6% (Vormonat: 7,7%). Im Mai war die Zahl der Arbeitslosen nach revidierten Angaben um ebenfalls 20.000 (vorläufig: minus 21.000) gefallen.

Auf der Basis von nicht-saisonbereinigten Zahlen stieg die Arbeitslosigkeit allerdings etwas: Insgesamt waren im Juli 3,192 (Vormonat: 3,153) Millionen Menschen ohne Arbeit. Die unbereinigte Quote belief sich auf 7,6% (Vormonat: 7,5%).

BA-Vorstandsvorsitzender Frank-Jürgen Weise sagte, die Arbeitslosigkeit sei im Zuge der Sommerpause gestiegen, saisonbereinigt aber wie schon in den Vormonaten gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei auf Erholungskurs, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich weiter verbessert.

Der deutsche Arbeitsmarkt hat den Belastungen aus der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise bisher überraschend gut standgehalten, auch im Vergleich zu anderen Ländern im Euroraum. Vor allem Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitregelungen in den Betrieben konnten den Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern.

Im Vergleich zum Vorjahr gab es im Juli 271.000 Arbeitslose weniger, wie die BA erläuterte. Auch die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag unter Vorjahresniveau. "Im Vergleich mit der Zeit vor der Wirtschaftskrise haben Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zwar zugenommen, der Anstieg ist aber erheblich kleiner als angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwartet wurde", erklärte die Behörde.

Die durchschnittliche Arbeitslosenzahl schätzte die BA für 2010 auf 3,2 Millionen. Zugleich rechnete die Behörde damit, dass im gesamten Jahr ein Defizit von 11,3 Mrd EUR auflaufen und damit ein Bundeszuschuss von 8,4 Mrd EUR nötig wird.

Alexander Krüger, Volkswirt beim Bankhaus Lampe, zog eine positive Bilanz aus den Daten: "Die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen ist zwar gestiegen, dies hat aber saisonale Gründe, da sich viele Schüler üblicherweise in einem Juli-Monat vor Beginn ihrer Ausbildung arbeitslos melden. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit hingegen erneut gesunken. Insgesamt befindet sich der deutsche Arbeitsmarkt damit weiter in einer robusten Verfassung. Die Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich der Beschäftigungsaufbau in den nächsten Monaten fortsetzen wird."

"Die guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt reißen nicht ab", kommentierte Postbank-Volkswirtin Fabienne Riefer. "Immer stärker dürfte dabei die anhaltende Konjunkturerholung ins Gewicht fallen, die in den Frühjahrsmonaten deutlich an Schwung gewonnen hat und laut jüngsten Geschäftsklimaindikatoren zu Beginn des Sommerquartals keineswegs an Dynamik eingebüßt hat."

Auch Commerzbank-Ökonom Eckart Tuchtfeld rechnet damit, dass sich der positive Trend am deutschen Arbeitsmarkt fortsetzen wird: "Demnächst könnte die Statistik weniger Arbeitslose ausweisen als vor Rezession und Finanzmarktkrise." Der Stellenindex der Bundesagentur (BA-X) signalisiere seit Monaten, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften spürbar anziehe und die Unternehmen sich nicht nur damit begnügten, wieder länger arbeiten zu lassen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht angesichts der Arbeitsmarktentwicklung "gute Gründe, mit Optimismus in den Herbst zu gehen". Das Quartalsende und die Ferienzeit hätten zwar auch diesmal "wie üblich" einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen gebracht. Der sei jedoch "sehr verhalten" ausgefallen. Besonders ermutigend sei, dass trotz des Anstiegs insgesamt die Zahl der Langzeitarbeitslosen gesunken sei. Zudem sei die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr gestiegen. "Das zeigt, die Einstellungsbereitschaft wächst, die Unternehmen bauen Beschäftigung auf", sagte von der Leyen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht gute Aussichten, "dass wir bei der Arbeitslosigkeit zum Ende dieses Jahres die Drei-Millionen-Marke unterschreiten". Die konjunkturelle Erholung, die inzwischen nahezu alle Bereiche der Wirtschaft erfasst habe, und die bessere Lage am Arbeitsmarkt beflügelten sich gegenseitig. Wachsende Beschäftigung, weniger Kurzarbeit und eine bessere Kapazitätsauslastung sorgten ihrerseits für höhere Arbeits- und Gewinneinkommen sowie Zukunftsvertrauen. "Das fördert Kauflaune, Konsum und Investitionstätigkeit", sagte Brüderle. Es sei erfreulich, dass damit die konjunkturelle Erholung in Deutschland neben Impulsen aus der Weltwirtschaft auch ein immer breiteres binnenwirtschaftliches Fundament bekomme.

-Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 300, konjunktur.de@dowjones.com

(Beate Preuschoff hat zu diesem Artikel beigetragen)

DJG/apo/sgs/voi/mrf

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