Deutsche Jahresteuerung steigt im Juli moderat

28.07.10, 15:48 Uhr       

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FRANKFURT/WIESBADEN (Dow Jones)--Die deutschen Verbraucherpreise sind im Juli vor allem wegen deutlich höherer Preise für Mineralölerzeugnisse etwas gestiegen. Unter Herausrechnung starker saisonaler Effekte sowie der volatilen Energiepreise sehen Bankvolkswirte aber keine Verstärkung des Inflationsdrucks. Sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr erwarten sie eine relativ niedrige Teuerungsrate.

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom Mittwoch stieg der Preisindex auf Basis von Daten aus sechs Bundesländern um 0,2% gegenüber dem Vormonat. Die Jahresteuerung wurde auf 1,1% beziffert. Im Juni waren die Verbraucherpreise auf Monatsbasis um 0,1% gestiegen, die Jahresteuerung hatte sich auf 0,9% gestellt.

Damit erhöhte sich der Preisauftrieb nicht so deutlich wie erwartet. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten für Juli einen Anstieg um 0,3% auf Monatssicht und eine Steigerung um 1,2% binnen Jahresfrist prognostiziert.

"Von einer Verstärkung des Preisauftriebs kann aber keine Rede sein", kommentiert Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen, "denn unter Ausschluss saisonaler Effekte und der volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise bewegen sich die Preise weiterhin eher seitwärts." Die Kernteuerungsrate dürfte nach Einschätzung Solveens leicht gefallen sein. Auch lauter werdende Forderungen nach stärkeren Lohnanstiegen dürften daran wenig ändern: "Bis sich diese in einem kräftigeren Preisanstieg niederschlagen werden, wird noch einige Zeit vergehen." Die Inflation werde nach Einschätzung Solveens voraussichtlich noch über 2011 hinaus niedrig bleiben.

Ähnlich äußern sich die Volkswirte von HSBC Trinkaus & Burkhardt: "Vergleicht man die Veränderungen bei den deutschen Lebenshaltungskosten mit den jeweiligen Durchschnittswerten der letzten Jahre, fällt auf, dass sowohl das Plus im Juli als auch die im bisherigen 2010er Jahresverlauf kumulierte Monatsveränderung niedriger ausfällt als der Durchschnittswert der letzten Jahre." Dies unterstreicht nach Auffassung der Ökonomen, dass in Deutschland weiterhin ein disinflaltionäres Umfeld vorherrsche. Für das Gesamtjahr 2010 dürfte die Inflationsrate bei 1,1% liegen, gefolgt von 1,3% in 2011.

Destatis zufolge wurde die Teuerungsrate im Juli wie in den Vormonaten maßgeblich durch die starken Preiserhöhungen bei Heizöl und Kraftstoffen bestimmt. Zudem seien auf Jahressicht starke Preissteigerungen bei Obst und Gemüse verzeichnet worden.

Im Gegensatz dazu habe die Preisentwicklung bei Gas sowie bei Zentralheizung und Fernwärme im Vorjahresvergleich inflationsdämpfend gewirkt. Auf Monatssicht stiegen den Angaben zufolge saisonbedingt die Preise für Pauschalreisen und Ferienwohnungen an, wobei die Pauschalreisen aber unter dem Niveau von Juli 2009 lagen.

Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,3%, auf Jahressicht erhöhte sich der Index um 1,2%. Im Juni hatte die HVPI-Jahresrate bei 0,8% gelegen. Die endgültigen Ergebnisse für Juli will das Bundesamt am 10. August vorlegen.

Webseite: www.destatis.de
 
-Von Mark Lempp, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 29725 300,
 konjunktur.de@dowjones.com
 
DJG/mle/kth/sch

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