BÖRSEN-AUSBLICK/Das Deflationswort macht die Runde
30.07.10, 13:28 Uhr |
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FRANKFURT (Dow Jones)--Was ist nur los am deutschen Aktienmarkt? In den vergangenen Tagen hat sich ein beunruhigendes Muster herausgeschält.
Trotz guter, zum Teil sogar sehr guter Unternehmenszahlen, ist dem DAX der Ausbruch nach oben bislang nicht gelungen. Ein Ausbruch in der kommenden Woche ist ebenfalls nicht in Sicht.
Zwar legen mit Metro, Linde, Deutsche Post oder BMW noch einige Schwergewichte ihre Quartalsberichte vor. Aber für die meisten Anleger ist die Berichtssaison bereits gelaufen. Denn nachdem rund 300 Unternehmen aus dem S&P-500-Universum ihre Zahlen vorgelegt haben, ist der allgemeine Trend klar; die hohen Erwartungen werden erfüllt und in vielen Fällen sogar übererfüllt.
Und trotzdem, die Aktienmärkte verharren in ihrer seit Monaten andauernden Seitwärtsbewegung. Der Grund hierfür sind natürlich die unsicheren konjunkturellen Aussichten der Weltwirtschaft. Neben dem R-Wort (Rezession) macht immer mehr das D-Wort (Deflation) die Runde. James Bullard, der Fed-Präsident von St. Louis, warnt bereits vor japanischen Verhältnissen und fordert den erhöhten Einsatz der Druckerpresse.
Deflation wäre der Albtraum eines jeden Notenbankers, die sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen können als fallende Preisniveaus in einer Welt, die unter dem Schuldenberg der Exzesse der vergangenen Dekaden leidet. Um die Schuldenlast zu mindern braucht man idealerweise vor allem eins, nämlich Wachstum.
Aber hier schellen die Alarmglocken: Denn, darauf weist der Stratege der Deutschen Bank Jim Reid hin, die wirtschaftliche Erholung in den USA ist eine der schwächsten seit dem Zweiten Weltkrieg. Entsprechend aufmerksam werden die Anleger daher die Bekanntgabe der ISM-Indizes am Montag und Mittwoch verfolgen.
Es wird zwar in beiden Fällen erwartet, dass sich diese im Juli noch immer komfortabel über der Expansionsschwelle von 50 bewegt haben. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass dies die Anleger wird beruhigen können angesichts der Tatsache, dass etwa der viel beachtete ECRI-Frühindikator jüngst wieder auf Rezessionsniveau zurückgefallen ist.
Größtes Sorgenkind bleibt aber der marode US-Arbeitsmarkt. Behalten die Auguren recht, ist die Arbeitslosenquote im Juli leicht auf 9,6% gestiegen. Wenn die Daten am kommenden Freitag veröffentlicht werden, werden die Investoren jedoch vor allem auf die Beschäftigungsentwicklung im privaten Sektor achten. Analysten rechnen hier mit einem Anstieg um 110.000 Stellen.
Neben den USA könnten in der kommenden Woche vor allem Daten aus China für Bewegung sorgen. Noch ist unklar, ob es der dortigen Regierung gelingen wird, eine weiche Landung zu generieren. Einen Hinweis darauf werden die für Sonntag angekündigten Einkaufsmanagerindizes liefern.
Sollten diese, wie von einigen Volkswirten befürchtet, tatsächlich unter die Schwelle von 50 fallen, droht Ungemach an den Finanzmärkten; dies würde auch den hohen Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft einen Dämpfer versetzen.
Wie auch immer die Daten in den kommenden Tagen ausfallen werden, klar ist, dass sie die Frage, ob die Welt nun wieder in die Rezession abgleiten wird oder nicht, nicht werden beantworten können. Optimisten hoffen noch immer, dass sich 2010 als Wiederholung des Jahres 2004 entpuppen wird. Auch damals war die Stimmung von konjunktureller Unsicherheit geprägt, die sich letztendlich positiv nach oben hin auflöste.
Ob sich die Geschichte wiederholt, oder die Pessimisten recht behalten, werden wir erst in einigen Monaten wissen. Bis dahin wird die Unsicherheit an den Aktienmärkten hoch bleiben und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich der DAX weiter in seiner breiten Handelsspanne zwischen 5.700 und 6.300 Punkten bewegen wird.
DJG/mpt/hru/cln/voi
Zwar legen mit Metro, Linde, Deutsche Post oder BMW noch einige Schwergewichte ihre Quartalsberichte vor. Aber für die meisten Anleger ist die Berichtssaison bereits gelaufen. Denn nachdem rund 300 Unternehmen aus dem S&P-500-Universum ihre Zahlen vorgelegt haben, ist der allgemeine Trend klar; die hohen Erwartungen werden erfüllt und in vielen Fällen sogar übererfüllt.
Und trotzdem, die Aktienmärkte verharren in ihrer seit Monaten andauernden Seitwärtsbewegung. Der Grund hierfür sind natürlich die unsicheren konjunkturellen Aussichten der Weltwirtschaft. Neben dem R-Wort (Rezession) macht immer mehr das D-Wort (Deflation) die Runde. James Bullard, der Fed-Präsident von St. Louis, warnt bereits vor japanischen Verhältnissen und fordert den erhöhten Einsatz der Druckerpresse.
Deflation wäre der Albtraum eines jeden Notenbankers, die sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen können als fallende Preisniveaus in einer Welt, die unter dem Schuldenberg der Exzesse der vergangenen Dekaden leidet. Um die Schuldenlast zu mindern braucht man idealerweise vor allem eins, nämlich Wachstum.
Aber hier schellen die Alarmglocken: Denn, darauf weist der Stratege der Deutschen Bank Jim Reid hin, die wirtschaftliche Erholung in den USA ist eine der schwächsten seit dem Zweiten Weltkrieg. Entsprechend aufmerksam werden die Anleger daher die Bekanntgabe der ISM-Indizes am Montag und Mittwoch verfolgen.
Es wird zwar in beiden Fällen erwartet, dass sich diese im Juli noch immer komfortabel über der Expansionsschwelle von 50 bewegt haben. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass dies die Anleger wird beruhigen können angesichts der Tatsache, dass etwa der viel beachtete ECRI-Frühindikator jüngst wieder auf Rezessionsniveau zurückgefallen ist.
Größtes Sorgenkind bleibt aber der marode US-Arbeitsmarkt. Behalten die Auguren recht, ist die Arbeitslosenquote im Juli leicht auf 9,6% gestiegen. Wenn die Daten am kommenden Freitag veröffentlicht werden, werden die Investoren jedoch vor allem auf die Beschäftigungsentwicklung im privaten Sektor achten. Analysten rechnen hier mit einem Anstieg um 110.000 Stellen.
Neben den USA könnten in der kommenden Woche vor allem Daten aus China für Bewegung sorgen. Noch ist unklar, ob es der dortigen Regierung gelingen wird, eine weiche Landung zu generieren. Einen Hinweis darauf werden die für Sonntag angekündigten Einkaufsmanagerindizes liefern.
Sollten diese, wie von einigen Volkswirten befürchtet, tatsächlich unter die Schwelle von 50 fallen, droht Ungemach an den Finanzmärkten; dies würde auch den hohen Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft einen Dämpfer versetzen.
Wie auch immer die Daten in den kommenden Tagen ausfallen werden, klar ist, dass sie die Frage, ob die Welt nun wieder in die Rezession abgleiten wird oder nicht, nicht werden beantworten können. Optimisten hoffen noch immer, dass sich 2010 als Wiederholung des Jahres 2004 entpuppen wird. Auch damals war die Stimmung von konjunktureller Unsicherheit geprägt, die sich letztendlich positiv nach oben hin auflöste.
Ob sich die Geschichte wiederholt, oder die Pessimisten recht behalten, werden wir erst in einigen Monaten wissen. Bis dahin wird die Unsicherheit an den Aktienmärkten hoch bleiben und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich der DAX weiter in seiner breiten Handelsspanne zwischen 5.700 und 6.300 Punkten bewegen wird.
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