Postbank hat 7,6 Mrd EUR in kritische Staatsanleihen investiert
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Postbank AG hat 7,6 Mrd
EUR in Staatsanleihen der Länder Griechenland, Italien, Spanien, Irland
und Portugal investiert. Zumindest bei den Investitionen in Griechenland
bestehe derzeit kein Abschreibungsbedarf, sagte Vorstandsvorsitzender
Stefan Jütte bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt. (Foto: Postbank)
In Griechenland, Irland, Spanien und Portugal hat das Bonner
Finanzinstitut insgesamt 2,9 Mrd EUR investiert. Die Hälfte dieser Summe
ist in drei Jahren zur Rückzahlung fällig. 1,3 Mrd EUR entfallen allein
auf griechische Staatsanleihen, von denen ebenfalls 50% innerhalb
dieser Frist fällig werden. In Portugal hat die Postbank 50 Mio EUR
investiert, in Irland sind es 350 Mio EUR und in Spanien 1,2 Mrd EUR.
Griechenlands Verschuldung liegt derzeit bei 115,1% des
nominalen Bruttoinlandsproduktes. Am Freitag hat das Euro-Mitgliedsland
Finanzhilfe bei der Europäischen Union und dem Internationalem
Währungsfonds (IWF) beantragt. Aber auch die anderen Länder sind derzeit
in einer schwachen Position: So hat Standard & Poor's jüngst die
Kreditwürdigkeit von Portugal und Spanien abgestuft. Länder wie Irland
und Italien stehen zwar besser da; aber hier hat der Markt die Sorge,
sie könnten im Dunstkreis von Griechenland in Mitleidenschaft gezogen
werden.
Neben der Postbank hat auch die teilverstaatlichte Commerzbank
ein Milliardenrisiko im Zusammenhang mit Griechenland-Investitionen
eingeräumt. Bei der Commerzbank liegt das Risiko bei der Eurohypo, der
auf Immobilien- und Staatsfinanzierung spezialisierten Tochter.
Die Deutsche Bank, die derzeit knapp 30% an der Postbank hält,
selbst hat in einem überschaubaren Maß in Griechenland investiert und
sieht deshalb die hohe Verschuldung des Landes bei der Beurteilung der
eigenen Situation nicht als Grund zur Sorge. Das "direkte" Engagement
der Bank in dem südosteuropäischen Land sei begrenzt, hatte
Finanzvorstand Stefan Krause am Dienstag im Rahmen einer
Telefonkonferenz für Analysten gesagt. Daher sei die Bank entsprechend
gelassen.
Angesichts des Banken-Engagements in Griechenland hatte sich
Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann im März klar für
eine Unterstützung Griechenlands durch andere Staaten ausgesprochen.
Ansonsten drohten weitere Probleme, die hohe Kosten nach sich zögen,
warnte Ackermann: Die deutschen Banken hätten "beträchtliche Milliarden
im Feuer".
-Von Madeleine Nissen, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 115,
madeleine.nissen@dowjones.com (Roman Kessler hat zu diesem Artikel
beigetragen.)
DJG/maw/bam/mrf







