Hannover Rück hält trotz Großschäden an Prognose fest
HANNOVER (Dow Jones)--Die Hannover Rückversicherung
AG hält trotz der zu erwartenden Finanzbelastungen als Folge des
Wintersturms Xynthia und des verheerenden Erdbebens in Chile an ihren
bisherigen Jahresprognosen fest. (Foto: Hannover Rück)
Nachdem der Konzern dank Sondereffekten
im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn der Unternehmensgeschichte
verbuchen konnte, wird das Ergebnis 2010 geringer ausfallen.
Vorstandsvorsitzender Ulrich Wallin äußerte sich auf der
Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Hannover jedoch zuversichtlich,
den um diese Sondereffekte bereinigten Nettogewinn halten zu können.
Das Beben in Chile und der Wintersturm in Europa Ende Februar
werden zu einer deutlich höheren Nettobelastung im Bereich der
Naturkatastrophen führen, als sie für das erste Quartal erwartet worden
war. Hannover Rück rechnet beim Erdbeben mit 185 Mio EUR und für die bei
ihm versicherten Xynthia-Schäden mit rund 40 Mio EUR Belastung. Die
angepeilte Eigenkapitalrendite von mindestens 15% könnte in Gefahr
geraten, wenn die Zahl der Großschäden im weiteren Jahresverlauf nicht
annähernd im erwarteten Rahmen bleibe, hieß es deshalb.
Seine Prämieneinnahmen will der Konzern im laufenden Jahr wie
angekündigt brutto wie netto währungsbereinigt um rund 5% steigern. In
der Schaden-Rückversicherung soll das Prämienwachstum rund 4%, in der
Personen-Rückversicherung 10% erreichen. Bei der Kapitalrendite (ROI)
legte sich der MDAX-Konzern mit rund 3,5% auf das obere Ende der erst im
Februar gesenkten Prognosespanne fest.
Im Krisenjahr 2009 erzielte der MDAX-Konzern aus Hannover
überraschend das beste Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte. Basis
dafür waren moderate Belastungen aus Großschäden, das übernommene
ING-Lebensrückversicherungsportfolio und Zuschreibungen bei den
Kapitalanlagen. Die Prämien kletterten 2009 um 26,5% auf 10,3 Mrd EUR.
Der Konzerngewinn erreichte 731,2 Mio EUR nachdem 2008 noch ein Verlust
von 127 Mio EUR zu Buche gestanden hatte.
Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Schnitt
mit knapp 10,1 Mrd EUR Prämien und lediglich 713 Mio EUR Gewinn
gerechnet. Anders als im Vorjahr sollen die Aktionäre deshalb nicht leer
ausgehen. Je Aktie soll eine Dividende von 2,10 EUR gezahlt werden.
Im laufenden Jahr werde das Ergebnis nicht im gleichen Maße
wie im Vorjahr von Sonderposten profitieren können, sagte
Vorstandsvorsitzender Wallin. Bereinigt um Einmaleffekte habe der
Konzern 599 Mio EUR oder 4,97 EUR Gewinn je Aktie erzielt. Dieses
Ergebnis sei auch 2010 mindestens erreichbar. Jedoch bleibe abzuwarten,
wie sich die Großschäden und die Kapitalanlagen in diesem Jahr
entwickelten, schränkte der Manager ein.
Im Gegensatz zu vielen anderen Naturkatastrophen wird das
Erdbeben in Chile die Preise in der Katastrophendeckung nach
Einschätzung des Unternehmens wohl kaum steigen lassen. "Es wird keine
Auswirkungen weltweit haben", sagte der für die globale
Schaden-Rückversicherung verantwortliche Vorstand André Arrago. Nach
Ansicht des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Wallin wird der Wintersturm
Xynthia jedoch in Europa den Druck in Richtung Preiserhöhungen erhöhen.
Im Gegensatz zum Konkurrenten Munich Re hat die Hannover Rück
ihr Engagement in griechischen Anleihen nicht ausgebaut. Staatsanleihen
und Unternehmensanleihen mit Staatsgarantie aus Griechenland machten
zusammen rund 70 Mio EUR oder rund 0,3% des Gesamtportfolios aus, sagte
Finanzvorstand Roland Vogel. In den vergangenen Wochen habe der Konzern
das Exposure sogar etwas reduziert. Munich Re hatte sich hingegen jüngst
erfolgreich an der Auktion griechischer Anleihen beteiligt. Insgesamt
ist Hannover Rück mit rund 500 Mio EUR oder 2,3% des Portfolios in
Staatsanleihen aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien
investiert.
Zögerlich bleibt der Konzern auch beim Wiedereinstieg in den
Aktienmarkt, der ihm im Zuge der Finanzkrise herbe Verluste beschert
hatte. Im ersten und zweiten Quartal werde er auf Investitionen im
Aktienmarkt verzichten, sagte Roland Vogel. Ob er im weiteren
Jahresverlauf den Aktienanteil im Portfolio ausbaue, hänge von der
Kapitalausstattung des Rückversicherers ab.
Am Aktienmarkt legten die Papiere der Hannover Rück bis 15.45
Uhr um 1,4% auf 33,91 EUR zu. "Quer durch die Bank besser als erwartet",
heißt es im Handel dazu. Vor allem das Wachstum der Nettoprämien von
knapp 32% sei in dieser Rasanz nicht prognostiziert worden.
SG-Analyst Franz Rotger rechnet wegen der Großschäden zu
Jahresbeginn zwar für 2010 mit einem Gewinnrückgang. Mit rund 600 Mio
EUR Nettogewinn würde der Konzern jedoch noch immer genug verdienen, um
seine Finanzstärke weiter zu festigen.
Webseite: www.hannover-rueck.de
-Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires,
+49 (0)69 29725 117, ruediger.schoss@dowjones.com
DJG/rso/has/mrf





