EZB lässt Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank
(EZB) hat ihre Leitzinsen am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert
gelassen. Wie sie am Nachmittag mitteilte, bleibt der
Hauptrefinanzierungssatz auf dem Rekordtief von 1,00%, wo er seit Mai
2009 steht. (Foto: Anders)
Der Satz für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB
(0,25%) und der Spitzenrefinanzierungssatz (1,75%) wurden gleichfalls
nicht geändert. An den Finanzmärkten war diese Entscheidung erwartet
worden.
Im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat die EZB
den Hauptrefinanzierungssatz zwischen Oktober 2008 und Mai 2009 um 325
Basispunkte auf sein aktuelles Niveau zurückgeführt. Im Rahmen der
bisher letzten Zinssenkung wurde zudem der Zinskanal auf 150 Basispunkte
von zuvor 200 eingeengt. Bei ihren Refinanzierungsgeschäften befolgt
die EZB eine Politik der Vollzuteilung; alle Gebote werden damit zum
Festzins von 1,00% komplett bedient. Eine Ausnahme bildete der letzte
einjährige Tender, der nachträglich zu dem Satz abgerechnet wird, der
dem durchnittlich über seine Laufzeit herrschenden
Hauptrefinanzierungssatz entspricht.
Im Rahmen der "erhöhten Kreditversorgung" der Geschäftsbanken
bietet die EZB derzeit noch Refinanzierungsgeschäfte mit Laufzeiten von
bis zu einem halben Jahr an, bei denen sie zudem eine stark erweiterte
Liste von Wertpapieren akzeptiert. Darüber hinaus kaufen die EZB sowie
die Zentralbanken des Eurosystems gedeckte Bankschuldverschreibungen
(Covered Bonds) für bis zu 60 Mrd EUR. Allerdings wurden kürzlich die
entsprechenden Mindestanforderungen für mit Aktiva besicherte
Wertpapiere (ABS) leicht angehoben. Zudem hat die EZB im Dezember
mitgeteilt, dass sie das letzte halbjährige Geschäft im März offerieren
will.
Beobachter erwarten angesichts fehlender Anzeichen für einen
zunehmenden Inflationsdruck, dass die EZB an ihrer Politik sehr
niedriger Leitzinsen bis auf weiteres festhalten wird. Die von Dow Jones
Newswires befragten Volkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank
ihren Hauptrefinanzierungssatz bis Herbst 2010 stabil halten wird.
Beobachter erwarten, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet
das Zinsniveau bei der um 14.30 Uhr beginnende Pressekonferenz als
"weiterhin angemessen" sowie die Risiken für Inflations- und
Wachstumsentwicklung als "weitgehend ausgewogen" bezeichnen wird. Zudem
werden Hinweise zum weiteren Ausstieg aus der erhöhten Kreditversorgung
der Banken erwartet. So könnte Trichet mitteilen, dass das letzte, am
31. März 2010 zuzuteilende halbjährige Refinanzierungsgeschäft ebenfalls
zu dem Satz abgerechnet wird, der dem durchnittlich über seine Laufzeit
herrschenden Hauptrefinanzierungssatz entspricht.
Ferner wird die EZB die neuen Stabsprojektionen für Wachstum
und Inflation veröffentlichen, für die jedoch keine markanten
Veränderungen erwartet werden. Zudem wird sie ihren Jahresabschluss für
2009 bekannt geben.
Webseite: www.ecb.int
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300,
Hans.Bentzien@dowjones.com
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