Bundeskartellamt durchleuchtet Strommarkt
BONN (Dow Jones)--Das Bundeskartellamt durchleuchtet in einer groß angelegten Aktion den Strommarkt. 60 Unternehmen mit wesentlichen Energieerzeugungskapazitäten müssen der Bonner Behörde darüber bis zum 6. Mai in umfangreichen Fragebögen Auskunft erteilen, teilte das Bundeskartellamt am Freitag mit. (Foto: Anders)
Das Amt will mit der Untersuchung die Produktionsmengen und die Kosten der Erzeugung für die Jahre 2007 und 2008 erfassen. Zusätzlich soll das Angebotsverhalten der Erzeuger im Stromgroßhandel, insbesondere an der Leipziger Energiebörse EEX, nachvollzogen werden können. Weiter will das Kartellamt sämtliche Stromim- und -exporte sowie die Windeinspeisungen der beiden Jahre erheben.
Die Wettbewerbshüter begründen die Untersuchung mit dem seit 2004 um durchschnittlich 0,05 EUR pro Kilowattstunde gestiegenen Strompreis. Für diese Preissteigerung seien höhere Steuern und die Entwicklung der Brennstoffkosten, wie von der Branche angeführt, nur bedingt verantwortlich, erklärte das Bundeskartellamt.
Insbesondere hinsichtlich der stark rückläufigen Rohstoffpreise im dritten und vierten Quartal 2008 werde untersucht, warum die Großhandelspreise in diesem Zeitraum das Preisniveau des Jahres 2007 erreichten, hieß es weiter. Dabei sollen die Daten auch auf Hinweise für eventuelle missbräuchliche Verknappungen der erzeugten Strommenge untersucht werden.
Das Bundeskartellamt stellte klar, dass die Sektoruntersuchung grundsätzlich ergebnisoffen sei. Wesentliches Ziel sei ein besseres Verständnis des Marktes. Konkrete Verfahren seien jedoch nicht ausgeschlossen, sofern sich Verdachtsmomente für missbräuchliche Verhaltensweisen eines oder mehrerer Marktteilnehmer ergäben.
Ein Sprecher der Düsseldorfer E.ON AG sagte auf Nachfrage zu Dow Jones Newswires, dass das Unternehmen "wie in der Vergangenheit auch" selbstverständlich eng mit der Kartellbehörde zusammenarbeiten werde. Dazu verwies er darauf, dass E.ON bereits seit 2007 umfassende Daten zur Stromerzeugung im Internet veröffentliche.
Der Stuttgarter Energiekonzern Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) bestätigte den Eingang des Fragenkatalogs. "Wir haben die Fragen des Kartellamts erhalten und werden sie selbstverständlich beantworten", sagte ein Sprecher.
Die Essener RWE AG wies darauf hin, bereits 2007 mit den Wirtschaftsprüfern von KPMG den gesamten eigenen Spotmarkt-Stromhandel untersucht zu haben. Dabei hätten KPMG und die Energiebörse EEX bestätigt, dass RWE nicht manipuliert oder Stromkapazitäten verknappt habe. "An unserem sauberen Verhalten hat sich seitdem nichts geändert", sagte eine Sprecherin.
Zu der vom Bundeskartellamt angekündigten Marktüberprüfung sagte die RWE-Sprecherin, dass der Konzern im Rahmen der Sektoruntersuchung selbstverständlich konstruktiv mit dem Kartellamt zusammenarbeiten und alle Unterlagen zur Verfügung stellen werde. Zusätzlich wies sie darauf hin, dass auch RWE auf einer eigenen Internetseite alle Erzeugungsdaten veröffentliche.
Die Berliner Vattenfall Europe AG wollte keine Stellung zu dem Vorgehen des Kartellamts nehmen.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betonte die Vielfalt im deutschen Markt für Stromerzeugung. Rund 450 Unternehmen seien in Deutschland in diesem Bereich aktiv. "Die Marktkonzentration in Deutschland ist eine der geringsten in Europa", erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW. Der Stromgroßhandel in Deutschland sei mit der EEX transparent, hieß es weiter. Müller bekräftigte die Haltung der Unternehmen, die die zur Verfügung stehenden Daten "natürlich" weitergäben.
Webseite: http://www.bundeskartellamt.de
http://www.enbw.com
http://www.eon.com
http://www.rwe.com
http://www.vattenfall.de
http://www.bdew.de
- Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 29725 104;
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