Europas Börsen sehr schwach - Finanztitel weiter auf Talfahrt
FRANKFURT (Dow Jones)--Erneut sehr schwach sind die europäischen Aktienmärkte am Freitag aus dem Handel gegangen. Vor allem der Fall ins Bodenlose bei den Banken- und Versicherer-Aktien belastete. Nur dank des in der Baisse stark geschrumpften Gewichts der Banken in den Aktienindizes hielten sich die Verluste der Börsenbarometer in Grenzen.
Der Euro-Stoxx-50 verlor 1,9% bzw 35 Punkte auf 1.817, im Tagestief fiel er auf den niedrigsten Stand seit Mitte Dezember 1996 zurück. Der Stoxx-50 sank um 1,1% bzw 18 Punkte auf 1.629.
Eine zwischenzeitliche Erholung nach dem etwas besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht verpuffte schnell. "Der Markt hatte sich für wesentlich schlechtere Zahlen positioniert", kommentierte ein Händler. Zwar sei die Arbeitslosenquote mit 8,1% auf den höchsten Stand seit 26 Jahren und die Januardaten um fast 60.000 Arbeitslose hochrevidiert worden. "Aber jeder hatte darauf gesetzt, dass die Februar-Daten noch wesentlich schlechter kommen", so der Händler weiter. Bis zu 800.000 mehr Arbeitslose habe der Markt vermutet, tatsächlich wurden 651.000 vermeldet.
Nach Ansicht von Ulrich Wortberg von der Helaba befindet sich der US-Arbeitsmarkt in einer außergewöhnlich schwachen Phase, die auch in den kommenden Monaten anhalten dürfte. Zeichen für eine Wende zum Besseren gebe es nicht, so der Analyst. Technische Analysten sehen nun die Unterstützung um 1.800 Punkte im Euro-Stoxx-50 in akuter Gefahr.
Erholung nur bei den Wochenverlierern
Nachhaltige Erholungen zeigten nur die konjunkturzyklischen und nicht-finanziellen Aktien. Minen- und Automobilwerte gehörten zu den stärksten Gewinnern in Europa. Die höchsten Gewinner am Freitag seien einfach die Branchen, die im Wochenverlauf am meisten verloren hatten und immer noch einen hohen Anteil von Leerverkäufen hatten, hieß es im Handel.
Dies habe besonders auf Automobil, Versorger und Minen zugetroffen. Unter anderem sprangen Daimler um 2,2% auf 18,55 EUR, hatten aber zwischenzeitlich über 5% zugelegt. Renault stiegen um 2,3% auf 10,83 EUR, der Sektor-Index der Autohersteller um 0,6%. Für die Branche der Basic Resources ging es im Schnitt um 1,8% nach oben. Rio Tinto legten sogar um 5,3% auf 1.825 p zu.
Bankenaktien im Sonderangebot
Bankenaktien gab es hingegen im Sonderangebot. Der Sektor-Index brach erneut um 3,4% ein. An den Kreditmärkten waren die Risikoprämien für Versicherungen gegen einen Totalausfall im Finanzsektor auf neue Rekordhochs gesprungen. Die Papiere großer Geldhäuser wie Societe Generale, Intesa SanPaolo und Credit Agricole verbuchten zeitweise prozentual zweistellige Kurseinbrüche. Sorgen um hohe Wertberichtigungen von Vermögensanlagen und Ausfälle von Krediten lasteten schwer auf der Branche. Am Ende büßten Intesa SanPaolo 7,4% auf 1,45 EUR ein, lagen aber zeitweise 17% unten. Unicredit brachen um 10,4% auf 0,72 EUR ein, Credit Agricole um 7,7% auf 6,11 EUR.
Nur Lloyds Banking ragten mit plus 4,2% auf 42,0 p aus der Masse hervor. Die BBC hatte am Donnerstagabend berichtete, eine Einigung der Bank mit der britischen Regierung über die Absicherung von Anlagen von bis zu 250 Mrd GBP stehe kurz bevor.
Versicherer setzen Talfahrt fort
Versicherer setzten ihre Talfahrt ebenfalls fort. Der Branchen-Index fiel um 4% und war damit der schwächste in Europa. Hier zögen sich Investoren angesichts kaum abschätzbarer Risiken weiter zurück, hieß es dazu im Handel. Vor allem die britische Aviva setzte ihren Kurseinbruch seit den schlechten Zahlen am Vortag fort und fielen um 14% auf 163 p. ING wurden von zwischenzeitlichen Gerüchten über eine Kapitalerhöhung belastet. Trotz Dementis des Unternehmens fielen die Aktien um 4,4% auf 2,50 EUR. Generali, Prudential und Swiss Re gaben jeweils knapp 6% nach.
DJG/mod/reh





