VEM muss Generikahersteller Ratiopharm verkaufen
ULM (Dow Jones)--Die VEM Vermögensverwaltung GmbH des verstorbenen Unternehmers Adolf Merckle muss sich von ihrem Generikahersteller Ratiopharm trennen.
Darauf hätten sich die Familie Merckle und die Banken geeinigt, teilte VEM am Mittwoch mit.
Im Rahmen der Einigung erhält VEM nun nach wochenlangen Verhandlungen von einem Bankenkonsortium den notwendigen Überbrückungskredit. Der Liquiditätsengpass habe abgewendet werden können, teilte VEM mit. Die VEM war wegen der Finanzkrise in Liquiditätsprobleme geraten. Mit dem Bankenkonsortium hatte Merckle bereits eine Stillhaltevereinbarung getroffen.
Der Unternehmer war zuletzt auch wegen Fehlspekulationen mit Volkswagen-Aktien in die Finanznöte gekommen. Die Familie hatte eingeräumt, sich mit VW-Aktien verspekuliert zu haben und dabei einen "niedrigen dreistelligen Millionenbetrag" verloren zu haben. Merckle war zudem in Bedrängnis geraten, weil einige seiner Firmen hoch verschuldet sind und im Zuge der Finanzkrise an Wert verloren hatten. Der Unternehmer hatte wochenlang mit seinen 30 Gläubigerbanken über einen Überbrückungskredit verhandelt und zuletzt seine Beteiligungen an HeidelbergCement, Phoenix und Ratiopharm als Sicherheiten angeboten. Merckle hatte sich schließlich am Montag vor einen fahrenden Zug geworfen und war gestorben.
VEM zeigte sich nun nach der mit den Banken getroffenen Einigung erleichtert über die gefundene Lösung. Bei Ratiopharm wie bei den weiteren Beteiligungsunternehmen sei das operative Geschäft grundsätzlich gesund, betonte VEM.
Der Verkaufsprozess bei Ratiopharm soll nun durch einen Treuhänder begleitet werden, der von den Banken und der VEM gemeinsam bestimmt wird. Das operative Tagesgeschäft von Ratiopharm wird aber weiterhin von der bisherigen Geschäftsführung fortgeführt.
Ratiopharm kommt auf einen Jahresumsatz von 1,8 Mrd EUR. Analysten hatten dem Generikahersteller früheren Angaben zufolge einen Wert zugemessen, der den zwei- bis dreifachen Einnahmen entspricht, also etwa 3,5 Mrd bis rund 5 Mrd EUR.
Als mögliche Käufer des Unternehmens mit knapp 5.500 Mitarbeitern gelten neben Private-Equity-Gesellschaften auch der französische Konzern Sanofi-Aventis und das israelische Generika-Unternehmen Teva. Sanofi wollte sich am Mittwoch aber nicht dazu äußern, ob sie ein Angebot vorlegen will.
VEM erwartet einen Verkauf von Ratiopharm nicht früher als in zwölf bis 18 Monaten. Derzeit liege noch kein Angebot einer interessierten Partei vor, sagte ein Sprecher. Angesichts der aktuellen Finanzkrise werde der potenzielle Käufer Schwierigkeiten haben, die notwendigen Kredite zu arrangieren.
Es sei derzeit nicht geplant, dass sich VEM von weiteren Beteiligungen trennt, sagte der VEM-Sprecher weiter. An der Börse war immer wieder der Aktienkurs von HeidelbergCement unter Druck geraten, weil Marktteilnehmer den Verkauf von Aktien des Baustoffkonzerns befürchtet hatten. Ob sich VEM von weiteren Beteiligungen trennen muss, hänge nun von einer internen Prüfung des Wirtschaftsprüfers KPMG ab, teilte VEM mit.
Webseite: http://www.vemvv.de
- Von Jürgen Hesse, Dow Jones Newswires, ++49 (0) 69 297 25 103,
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(William Launder und Markus Klausen haben zu dem Bericht beigetragen)
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